Google-Maps-Konkurrent OpenStreetMap: 1.000.000 Mitglieder beim „Wikipedia der Karten“

  • Mitgliederverdoppelung innerhalb von 14 Monaten
  • OSM wird in immer mehr Ländern zur detailliertesten digitalen Karte – darunter Deutschland
  • OSM gerade im mobilen Kontext zunehmend größter Konkurrent von Google Maps

Berlin, 16. Januar 2013 – Seit dieser Woche verzeichnet die OpenStreetMap-Community (OSM) erstmals über eine Million Mitglieder. Damit hat sich die Mitgliederzahl erneut innerhalb von 14 Monaten verdoppelt. OSM ist eine partizipatorische Karte, die durch sogenanntes „Crowdsourcing“ erstellt und gepflegt wird: eine Vielzahl von Privatpersonen trägt in ihrer Freizeit die geographischen Bereiche bei, in denen sie sich am besten auskennt, etwa in der Nähe ihres Wohnorts. Aufgrund der ähnlichen Struktur wird die OSM häufig auch als „Wikipedia der Karten“ bezeichnet. Von einer kleinen eingeschworenen Gemeinde hat sich das Open-Source-Projekt in wenigen Jahren zur weltweit größten Kartencommunity entwickelt, die kommerziellen Kartenanbietern hinsichtlich Detailreichtum, Dynamik und Aktualität in immer mehr Ländern bereits den Rang abgelaufen hat. So ist die OSM beispielsweise in Deutschland die detaillierteste digitale Karte.

OSM bei Kartenerfassung jenseits der Autostraßen vorn
Im Wesentlichen beschränkt sich der Kreis der weiteren digitalen Kartenanbieter auf Nokias Tochterunternehmen Navteq, TomToms TeleAtlas und Google. Während TeleAtlas und Navteq ihren Ursprung im Bereich der Autonavigation haben, hat sich Google Maps zunächst im Webumfeld entwickelt. Diese kommerziellen Anbieter fokussieren sich aus Kostengründen traditionell auf die weitgehend automatisierte Erfassung von Autostraßen, etwa mittels der bekannten Google-Street-View-Autos. Branchenkenner gehen davon aus, dass sich bei Navteq etwa 1.000 Mitarbeiter unmittelbar mit Kartographierung befassen und Google jedes Jahr rund eine Milliarde Dollar in Google Maps investiert. Eine zusätzliche manuelle Erfassung über die Autostraßen hinaus durch Profimapper wäre wesentlich umfangreicher und mit einem Vielfachen Kosten verbunden. Es ist nicht bekannt, dass die kommerziellen Anbieter eine kostengünstige Alternative zum Crowdsourcing-Ansatz von OSM entwickelt hätten. Die OSM hat die Autostraßen mittlerweile in vielen Ländern ebenfalls erfasst und enteilt den kommerziellen Anbietern hinsichtlich des Detailgrads bei den Fuß- und Radwegen durch das Engagement der ständig wachsenden Community von manuell erfassenden ehrenamtlichen OpenStreetMappern. Genau dieser Bereich rückt durch die Verbreitung von GPS-fähigen Smartphones, die die Nutzer überall bei sich tragen und die klassischen Navigationsgeräte im Auto verdrängen, in den Fokus. Die wachsende Masse an Beitragenden entwickelt sich daher für OSM zusehends zu einem strategischen Vorteil.

Das Wachstum der OpenStreetMap steckt noch immer in den Kinderschuhen
Trotz seines Wachstums steckt die OSM nach wie vor in ihren Kinderschuhen. Theoretisch kann zwar jeder mit Hilfe von Webeditoren die Karte bearbeiten und so zu ihrer Verbesserung beitragen. Tatsächlich sind diese Bearbeitungsmöglichkeiten aber wenig intuitiv, so dass sich unter den Beitragenden vor allem computeraffine Spezialisten und Geo-Enthusiasten finden. Derzeit tauchen jedoch erstmals intuitive Apps in den App-Stores auf, mit denen Nutzer etwa interessante Orte in der OSM-Karte editieren können. „Damit fallen erstmals die technischen Hemmnisse, die bislang für über 90 Prozent der Bevölkerung eine zu hohe Hürde zur Beteiligung am Wikipedia der Karten darstellten. Wir erwarten durch einfach zu bedienende OSM-Smartphone-Apps daher neben der bisherigen Wachstumsdynamik der OSM einen zusätzlichen Qualitätsschub“, so Marcus Thielking des Berliner OSM-Software-Entwicklers skobbler.